Rainer-Maria Rilke
Widmung
Aus: Die Gedichte 1906-1910 (zuerst veröffentlicht: Paris, Juni 1906)
Vergangen nicht, verwandelt ist was war. (O wie unsäglich selig kehrt es wieder.) Einst war es Fest und Andacht und Gefahr, dann ging es langsam wie ein Abend nieder und ist jetzt Angesicht und Hand und Haar: O wie unsäglich selig kehrt es wieder.
Du weiße Stadt vor Robbias frommem Blau in deinen Hügeln wie in Früchtekränzen, mit deinen Höfen, welche wie in Tänzen stehn bleiben um der Brunnen runden Bau: wie kannst du stürzen ins Gefühl und glänzen und eines Abends, außer deiner Gränzen, dich auferbaun zuliebe einer Frau:
deren Profil, als ob es dich verdeckte, sich nur ein wenig wenden muß, damit - strahlende Stadt im Tal von Malachit - dein Bild erscheint, das klare unbefleckte;
wie deine Glocken gehen geht ihr Schritt.
Und so wie Wolken manchmal fern der Erde nachahmen die Konturen ihrer Länder: so fließt durch ihre Haltung und Gebärde das Unsagbare deiner Hügelränder.
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